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Bienen & Imkerei im Internet

Langzeitbehandlung mit Ameisensäure zur Varroabekämpfung

Meine AS - Langzeitbehandlung - Methode mit dem Dispenser (Krämerplatte, Schwammtuchmethode, etc.)

Dieser Artikel wurde freundlicherweise von Hanspeter Itschner zur Verfügung gestellt.



Weil ich immer wieder danach gefragt werde, möchte ich hier meine gesammelten Erfahrungen von verschiedenen Imkerkameraden und hauptsächlich die Erkenntnisse aus meinem eigenen Betrieb weitergeben.
Es soll eine Start-Hilfe sein, für diejenigen Imker(innen) welche noch nie oder schon lange nicht mehr mit Ameisensäure behandelt haben. Für alle anderen ist es eine Information, (welche zur Diskussion, im Stammtisch dieser Internetseite, offen steht) und eine Ergänzung zur eigener Behandlungsmethode, da die Behandlungsvarianten und dazu benötigten Hilfsmitteln verschiedenartig und noch verbesserungswürdig sind und deshalb dauernd Änderungen ausgesetzt sind.

Mein Prinzip ist:

Mit möglichst wenig und kurzen schonenden disziplinierten Säurebehandlungen über die Runden zu kommen.

Die Daten müssen den eigenen Trachtverhältnissen und Klimabedingungen angepasst werden. Bei mir ist Trachtende ca. Mitte Juli.

Ende Juli

Abernten mit anschliessender Revision (Wabenbau).

Ende Juli-Anfang August

1 Woche Kontrolle mit gittergeschützten, eingeölten (eingefetteten) Unterlagen auf natürlichen Milbenfall (Milben, welche altersbedingt gestorben sind). Bis durchschnittlich 10 Milben pro Tag ist nur eine Behandlung nötig, sonst deren zwei.

Unterlage/Gitter

Leicht eingefettete Unterlage + Schutzgitter, welches die Bienen vor evt. festkleben schützt. Weiterhin wird durch das Gitter ein Putzen und Heraustragen der abgetöteten Milben verhindert. Somit ist jederzeit eine umfassende Kontrolle über den tatsächlichen Milbenfall möglich.

Bis 10 Milben pro Tag

August

Total auffüttern
Danach 1 - 2 Wochen Wartezeit
Die Zellen mit Futter müssen mehrheitlich verdeckelt sein, sonst wird das eingelagerte Zuckerwasser säuerlich und kann über den Winter unverdeckelt bleiben. Etwas offenes Futter ist aber erwünscht.

August / September

2 wöchige AS-Behandlung (Beginn Mitte August - Mitte September) Nach der Gebrauchsanweisung des gewählten Produkts. Fluglöcher total öffnen.

Verdunstungsmenge mit Küchenwaage 1 - 2 mal (1ml = 1g) überprüfen. Schlitzeöffnungen, Anzahl der Löcher eventl. korrigieren.

Ideal ist eine AS-Verdunstung von 8 - 12 ml pro Tag. Über 15 ml kann es den Königinnen und Bienen schaden und unter 7 ml ist der Wirkungsgrad zu klein. Die Verdunstungsmenge ist abhängig vom Standortklima, Wetter, Sonneneinstrahlung, Beuteart, Bruttätigkeit, Volkseigenschaften etc.

Ideal ist es wenn die Tagestemperatur um die 20°C im Schatten liegt. Bei über 25 °C im Schatten ist die Verdunstungsmenge zu gross, da unterbreche ich die Behandlung bis es wieder kühler wird. Bei unter 15°C im Schatten ist der Wirkungsgrad zu klein, bei mehreren solchen kühlen Tagen verlängere ich die Behandlungsdauer entsprechend.

Die ersten zwei Tagen dürfen beim Dispenser die Schlitze nur zur Hälfte wie nach der Temperaturtabelle der Gebrauchsanweisung des gewählten Produktes notwendig geöffnet werden. (Bei der Krämerplatte nur die Hälfte Löcher stanzen.) Gilt nicht für die Schwammtuchmethode, da die Tagesverdunstungsmenge von Anfang an gleichbleibend täglich neu abgemessen wird.
Damit wird verhindert, das am Anfang zuviel Ameisensäure verdunstet.

Nach etwa 7-9 Tagen den Liebefelder-Dispenser (oder Apidea) mit 50-60 ml nachfüllen.

Die erste Füllung von 130 ml beim Liebefelder (oder Apidea) reicht nicht für 14 Tage. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass die mittlere Verdunstungsmenge täglich über 10 ml liegen kann.

Mitte September (erhöhte Lage) - Ende Oktober

Frühestens nach 3 Wochen Wartezeit nach Behandlungsende (unbedingt beachten): Erfolgskontrolle mit gittergeschützten, eingeölten (eingefetteten) Unterlagen auf natürlichen Milbenfall.

Bis 1 Milbe/pro Tag ist keine weitere Behandlung nötig, aber ein Drohnenbrutschneiden im nächsten Frühling. Üeber 1 Milbe pro Tag ist eine Nachbehandlung im brutfreien Volk im Zeitraum Ende Oktober/November z.B. Milchsäure (oder Oxalsäure, Perizin) nötig. Der Zeitpunkt der Nachbehandlung muss dem Standort-Klima angepasst werden.

Will man auf das Drohnenbrutschneiden verzichten, darf imNovember(brutfrei) der natürlichen Milbenfall die Anzahl0,5Milbe/pro Tag nicht überschritten werden.

Über 10 Milben pro Tag

Fallen Anfangs August durchschnittlich mehr als 10 Milben pro Tag herunter füttere ich nur ein Teil aber mindestens 5 Liter. Anschliessend wird eine 1 wöchige AS-Behandlung nach Gebrauchsanweisung des gewählten Produkts eingeschaltet. Fluglöcher total öffnen nicht vergessen. Nach der Behandlung verfüttere ich den Rest des Zuckerwassers und behandle diese Völker, zeitlich etwas verschoben, wie oben beschrieben (bis 10 Milben) weiter.

Bei 30 und mehr Milben pro Tag ist das Volk an "Varoatose" erkrankt und meistens nicht mehr überlebensfähig, daher abschwefeln.

Junge Königinnen / Jungvölker

Junge Königinnen sind empfindlicher gegenüber Ameisensäure. (Königinnen-Verluste). Mit etwas reduzierten Verdunstungsmenge (kleinere Schlitzeöffnungen, weniger Löcher, etwa 7 ml beim Schwammtuch) und einer Milchsäure-Behandlung (Oxalsäure, Perizin) im Spätherbst kann man hier entgegenwirken.

Wenn zeitlich möglich, behandle ich meine eher varroaarmen Jungvölker im Zeitraum August - November 3 - 4 mal nur mit (im Spätherbst lauwarmen) frisch angemachten 14% Milchsäure, die letzte Behandlung möglichst brutfrei und bei einer Temperatur von mindestens 12 °C.
Bitte beachten Sie bei der Behandlung mit den genannten Mitteln die für Ihr Land jeweils gültigen rechtlichen Bestimmungen.